Pädagogisches Konzept

Dieses Konzept richtet sich an die Eltern der Kinder, die unseren Kindergarten besuchen oder besuchen wollen sowie an alle Interessierten. Es soll unsere pädagogische Arbeit einsehbar machen und ist die Leitlinie unseres Schaffens.

Was ist ein Waldkindergarten?

Die Idee der Waldkindergärten stammt aus Skandinavien. Dort wird diese Form der pädagogischen Betreuung schon seit Jahrzehnten mit großem Erfolg praktiziert. In Deutschland gibt es derzeit ca. 350 Waldkindergärten. Waldkindergärten sind Kindergärten ohne Wände und ohne vorgefertigtes Spielzeug. Die Kinder werden zu allen Jahreszeiten und bei jedem Wetter im Freien betreut und erleben somit unmittelbar das einzigartige Zusammenspiel der Natur im Jahreslauf. In einer reizüberfluteten, übertechnisierten, wenig durchschau- und gestaltbaren Zeit ist der Waldkindergarten eine besondere, zukunftsweisende Alternative zur konventionellen Kinderbetreuung.

Pädagogische Schwerpunkte


Erkläre mir – und ich vergesse.

Zeige mir – und ich erinnere mich.
Lasse es mich tun – und ich verstehe.
(Konfuzius)

Kinder gestalten ihre Persönlichkeitsbildung und Entwicklung von Geburt an aktiv mit. Sie übernehmen für ihre Entwicklung Verantwortung. In einem Umfeld, in dem sie sich wohl, sicher und geborgen fühlen und täglich ausreichend Möglichkeit erhalten sich zu bewegen, können sie aktiv lernen und sich positiv entwickeln. Kinder lernen ganzheitlich – mit all ihren Sinnen, Emotionen, Erfahrungen, geistigen Fähigkeiten und Ausdrucksformen. Entscheidend für nachhaltiges Lernen ist zudem, dass Kinder die Möglichkeit haben, eigenaktiv und selbstständig zu erfahren, dass sie Ideen und Interessen entwickeln und festigen können, dass sie Fehler machen dürfen, dass sie selbst Entdeckungen machen dürfen und eigenständig Antworten auf ihre Fragen finden dürfen. Des Weiteren sind für Kinder gemeinsame Aktivitäten mit anderen Kindern und Erwachsenen von Bedeutung. Kinder konstruieren ihr Weltverständnis vorrangig über den Austausch mit Anderen.

Unser Waldkindergarten orientiert sich am Bayerischen Bildungs- und Erziehungsplan (BEP). Im Unterschied zum Regelkindergarten integrieren wir ökologische Pädagogik und wollen so im Sinne der anerkannten Bildungs- und Erziehungsziele Umweltbewusstsein schaffen. Diese Ziele durch die Naturerfahrung mit ihren ganzheitlichen Bildungsmöglichkeiten zu vermitteln, ist inhaltlicher Schwerpunkt in unserer täglichen Arbeit im Waldkindergarten. Aus diesem theoretischen Ansatz ergeben sich Grundsätze der Waldpädagogik, die in der Präambel zur Satzung des Landesverbands Wald- und Naturkindergärten in Bayern e. V. wie folgt formuliert sind:

„In unmittelbarer Begegnung mit der Natur fördern Wald- und Naturkindergärten auf einzigartige, nachhaltige Weise die Entwicklung von Kindern, die Ehrfurcht vor dem Leben, eine lebendige Beziehung zu Tieren und Pflanzen und den verantwortungsvollen Umgang mit der Natur. Der Aufenthalt im Freien unterstützt die körperliche und seelische Gesundheit der Kinder. Erfahrungen aus erster Hand fördern das Körperbewusstsein und die Entfaltung vielfältiger Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeiten. Im gemeinsamen Spiel mit natürlichen Materialien entwickeln die Kinder in besonderer Weise Kommunikationsfähigkeiten, Hilfsbereitschaft, Ausdauer, Geduld, Phantasie und Kreativität. Durch eigenaktives, entdeckendes, möglichst ganzheitliches Tun lernen die Kinder die Komplexität der sie umgebenden Welt kennen und erweitern so ihr Wissen. Die Aufgabe der begleitenden ErzieherInnen besteht darin, geeignete Spielräume anzubieten und die Kinder mit Vertrauen in die Möglichkeiten ihrer individuellen Entwicklung zu begleiten und zu fördern. So wollen Wald- und Naturkindergärten dazu beitragen, dass Kinder gänzlich Kind sein und gerade dadurch zu verantwortungsbewussten, gemeinschaftsfähigen, selbstbewussten und selbstständigen Mitgliedern der Gesellschaft heranwachsen können.“

Allgemeiner Hinweis:

Wenn im Folgenden die einzelnen Bildungsbereiche getrennt beschrieben werden, muss dabei bedacht werden, dass sie in der Realität nie isoliert sind und auch nicht isoliert gefördert werden können, sondern, dass sie sich vielfältig überschneiden und mischen.

Bewegung

Das kleine Kind ist immer in Bewegung, aktiv mit dem ganzen Körper und mit allen seinen Sinnen. In der Kindheit hat Bewegung eine überragende Bedeutung.

Die Bewegung, sei sie motorischer oder sensorischer Art, schlägt sich beim Kind in neurologischen Strukturen nieder. Dieses Wechselspiel beginnt mit der ersten Koordination der Augen und der Kontrolle der Kopfbewegungen, geht weiter beim Spiel mit den eigenen Händen und Füßen und später beim Rollen, Robben, Krabbeln, Aufrichten und Gehen. Parallel zu diesen intensiven, wenn auch unbewussten, sensomotorischen Leistungen des Kindes reifen die Sinnesorgane und die Strukturen des Nervensystems aus. Diese Strukturen bilden die Grundlage für Sprach- und Denkfähigkeit.

Bis zum fünften Lebensjahr gewinnt das Kind Sicherheit im Gleichgewichthalten, es kann Treppen steigen, ausdauernd gehen, hüpfen, springen, sich an- und ausziehen. Wenn die Kinder genügend grobmotorische Erfahrungen gesammelt haben, beginnen sie von selbst ihre feinmotorischen Fähigkeiten zu verfeinern, was für die Schulfähigkeit der Kinder eine wichtige Voraussetzung ist.

Im Waldkindergarten haben die Kinder genügend Zeit und Raum zum Gehen, Laufen, Springen, Balancieren, Klettern, Matschen, Bauen und Schwimmen. Mit angeleiteten Bewegungsspielen wie „Geh Bock – Steh Bock“, „Taubenhaus“ oder aber auch Ballspielen und Tänzen werden vorgegebene Bewegungsabläufe geübt.

Eine Grundbedingung ist es, dass Erwachsene dem Kind gestatten, die einzelnen Entwicklungsschritte und Erfahrungen im individuellen Tempo zu durchlaufen.

Soziales Verhalten

Die Ausbildung sozialer Fähigkeiten hat eine wesentliche Voraussetzung: Um Mitgefühl und Verständnis für andere Menschen zu entwickeln, muss das Kind zunächst sich selbst als individuelle Persönlichkeit erleben und behaupten können, muss sich von den Mitmenschen angenommen und bestätigt fühlen. In dem Maße, in dem es Sicherheit und Geborgenheit in verlässlichen menschlichen Bindungen erfährt, entwickelt es sein Selbstwertgefühl und seine Selbständigkeit, und erst auf dieser Grundlage gewinnt es die Freiheit, nicht nur auf sich zu blicken, sondern sich auch mit Interesse und Hilfsbereitschaft anderen Menschen zuzuwenden.

Auf diesem Weg zur Sozialfähigkeit hat das Kind bereits erste Schritte getan, wenn es aus der kleinen Gemeinschaft der Familie in die größere, ihm zunächst fremde Gemeinschaft des Kindergartens kommt. In der altersgemischten Gruppe trifft das Kind sowohl auf jüngere als auch auf ältere Kinder, mit denen es sich arrangieren muss. Hier ergeben sich vor allem für Einzelkinder vielfältige soziale Erfahrungen.

Andererseits wird dafür gesorgt, dass das Kind auch in dieser neuen, größeren Gemeinschaft Geborgenheit und Sicherheit erleben kann. Das über längere Zeit konstant bleibende Gruppengefüge lässt ihm Zeit und Raum, um in einem vertrauten Menschenkreis und Umfeld seine individuelle Entwicklung zu durchlaufen und tragende Beziehungen zu den anderen Kindern und zu den Erziehern aufzubauen.

Die altersgemischte Gruppe erweist sich als eine natürliche Hilfe auf dem Weg zur Sozialfähigkeit; den Großen sind die Abläufe schon so vertraut, dass sie den kleineren Kindern Vorbild sein können.

Auch Konflikte gehören zum Alltag. Sie sind Ausdruck widerstreitender Bedürfnisse und Interessen und damit Bestandteil menschlicher Kommunikation.

Die Kinder haben die Möglichkeit, ihre erlernten Sozialkompetenzen einzusetzen und Konfliktlösungsstrategien zu erproben. Wir versuchen, den Kindern den größtmöglichen Gestaltungsfreiraum zu geben und bieten ihnen bei Bedarf Unterstützung an, um durch die gemeinsam gefundene Lösung eine positive Lernerfahrung und daraus resultierend Kompetenzen im Konflikt- und Sozialverhalten erwerben zu können. Das wertschätzende und respektvolle Miteinander ist die Basis, um sich geborgen zu fühlen.

  • Die Erzieher treten dem Kind gegenüber offen und wertschätzend auf. Morgens wird das Kind aufmerksam begrüßt und falls nötig, helfen wir bei der Kontaktaufnahme mit anderen Kindern. Bei Konflikten verhelfen die Erzieher zu einem Perspektivwechsel durch einen Rollentausch – dadurch wird das Einfühlungsvermögen geschult. Alle Kinder haben die Möglichkeit, ihre vorhandenen sozialen Kompetenzen in den Prozess der Konfliktlösung einzubringen.
  • Großen Wert legen wir auf eine lebendige Kommunikationskultur. Wir unterstützen die Kinder darin, sich gegenseitig aussprechen zu lassen, zuzuhören und Fragen zu stellen.
  • Die Kinder lernen im Waldkindergarten mit anderen Kindern und Erwachsenen bei gemeinsamen Aktivitäten, z. B. bei Festvorbereitungen, zusammenzuarbeiten. Sie lernen, sich mit anderen abzusprechen, etwas zu planen und den Plan abgestimmt umzusetzen.

Soziale Konflikte treten im Kleinkindalter gehäuft auf, deshalb ergeben sich viele Gelegenheiten für das Erlernen von Techniken zur Konfliktlösung.

Freies Spiel

Spiel ist für kleine Kinder Arbeit, mit der sie sich die Welt zu eigen machen. In keiner anderen Tätigkeit kann das Kind seine Selbstbildung so umfassend verwirklichen wie hier. Sämtliche Lebenskompetenzen werden grundlegend geübt. Das freie Spiel bietet eine hervorragende Grundlage für die Entfaltung der Persönlichkeit. Das Kind erprobt Autonomie, Souveränität und Freiheit, da es aus eigenem Antrieb handelt und die Werte und Regeln selbst bestimmt.

Im Kindergartenalter will es seine Phantasie erproben, es will verwandeln, ergänzen, neu schaffen.

Sein Horizont erweitert sich dabei kontinuierlich. Seine Wahrnehmungen verknüpfen sich mit Gefühlen und Gedanken; Sinneszusammenhänge werden erfasst.

Im Waldkindergarten bieten die verschiedenen Naturspielräume immer wieder neue Spielmöglichkeiten. Die Spiele am Wasser sind anders als die im Wald oder auf der Wiese. Mit allen Sinnen kann gebaut, experimentiert oder geforscht werden. Die Kinder lernen in Rollenspielen voneinander. Sozialverhalten wird durch die anderen Kinder korrigiert und erlernt.

Umwelt

Kinder erleben die Umwelt im Spiel. Wälder und Wiesen sind voller Leben. Die Natur bietet alles, was die Kinder für ihre Spiele brauchen.

Sie fördert die gesunde Entwicklung der Kinder. Der Wald bietet ihnen die Möglichkeit, sich nach ihren Bedürfnissen den Raum zu nehmen, den sie brauchen (z. B.: zum Zurückziehen und Alleine sein oder aber zum Toben und Herumtollen). Besonders wichtig hierbei ist, dass die Kinder im Wald Stille erfahren können. Gerade in unserer hektischen und reizüberfluteten Gesellschaft ist dies von besonderer Bedeutung. Die Kinder werden ausgeglichener und es entstehen weniger Aggressionen.

Allerdings steht nicht die Wissensvermittlung im Vordergrund, vielmehr kommt es darauf an, die Zeit und den Raum zu nutzen, um persönliche Bezüge zur Natur zu ermöglichen. Naturkenntnisse können beiläufig über Fragen beantwortet und vermittelt werden.

Im Englischen Garten bietet das Gebüsch einen zentralen Erlebnisraum für Kinder. Im Frühjahr erfreut es uns durch seine Blütenpracht. Im Sommer durch sein grünes, schattenspendendes Laub. Im Herbst setzt das bunte Laub fröhliche Farbtupfer und im Winter geben die verschiedenen Silhouetten der Sträucher und Gehölze dem Englischen Garten eine unverwechselbare Struktur.

Neben diesem Wechsel an Farben und Formen im Jahresverlauf gehören Gebüsche aber auch zu den wichtigen Spielräumen für Kinder. Sie geben Geborgenheit, bieten ideale Verstecke und ermöglichen ein von den Erwachsenen unbeobachtetes Spiel.

Kinder erleben ihre Umwelt mit all ihren Sinnen. Interessante Objekte werden angefasst, befühlt, ertastet, berochen, geschmeckt, erlauscht. Spielerisch erfassen und begreifen die Kinder ihre (Um)-Welt.

Sie entdecken Grenzen, setzen sich mit Gefahren auseinander, erproben ihre Kräfte und Fähigkeiten und üben ihre Geschicklichkeit – z. B. beim Spielen und Schwimmen in den Bächen des Englischen Gartens.

Im urbanen Lebensraum Großstadt müssen Naturkontakte mehr und mehr bewusst geschaffen werden. Beim „spielerischen“ Bearbeiten von Naturmaterialien mit Hilfe verschiedener Werkzeuge (z.B. Messer, Säge Bohrer) werden Lebens- und Naturerfahrungen gesammelt, die sich positiv auf die Entwicklung auswirken.

Die Arbeit mit Naturmaterialien ermuntert die Kinder, ihrer Phantasiefreien Lauf zu lassen und fördert ihre Kreativität.

Die Kinder möchten mitgestalten, sie lernen, ihre Umwelt durch aktives „Tun“ zu begreifen. Jede Bewegung ermöglicht dabei einen neuen Eindruck. In einer natürlichen Umgebung erfahren Kinder, dass ihre Umwelt und somit auch das gesamte Leben dynamisch ist, sich ständig verändert.

Verändert sich die Natur, verändern sich auch die Erlebnisse und die Spiele in ihr. An einem Regentag ergeben sich andere Spiele als bei Sonnenschein.Im Frühjahrswald entdeckt man andere Geheimnisse als im Winterwald.

Unter freiem Himmel, in der Natur mit ihren Hecken und Gebüschen, dem Walddickicht, den Wiesen und Bächen Beobachtungs- und Wahrnehmungsgabe schulen und im Spiel lernen – dies ist im Waldkindergarten möglich.

Partizipation und Demokratie

„Partizipation“ bedeutet „Beteiligung“ im Sinne von Mitwirkung, Mitgestaltung und Mitbestimmung.
Kinder haben das Recht, an allen sie betreffenden Entscheidungen entsprechend ihrem Entwicklungsstand beteiligt zu werden.
Das beinhaltet zugleich das Recht, sich nicht zu beteiligen! Wenn Erwachsene und Kinder gemeinsam planen und entscheiden, kann es zu Konflikten kommen. Konflikte werden als Chance zur Entwicklung und Verbesserung verstanden, es werden gemeinsam Lösungen gesucht, die alle mittragen können.
Kinderbeteiligung erweist sich als Kernelement einer zukunftsweisenden Bildungs- und Erziehungspraxis; sie ist ein Schlüssel zu Persönlichkeitsbildung und Demokratie.
Wenn Kinder regelmäßig beteiligt werden, dann erleben sie, dass ihnen zugehört wird und dass ihre Meinung wichtig ist. Sie entwickeln den Mut sich zu äußern und haben zunehmend Freude am Sprechen (Sprachkompetenz).

Kinderbeteiligung verändert die Erwachsenen-Kind-Beziehung!

Zu sehr sind Erwachsene noch daran gewöhnt, für Kinder zu denken, zu entscheiden und ihnen dadurch Verantwortung abzunehmen. Es gilt, einen Mittelweg zu finden. In diesem Sinne wollen wir als Erwachsene die Verantwortung für die Kinder tragen und ihnen gleichzeitig die Möglichkeit geben, im Rahmen ihrer Fähigkeiten selbst Verantwortung zu übernehmen.

Wesentlich ist, dass wir unsere Interessen und Standpunkte klar formulieren, ohne dabei die Kinder allzu sehr zu bevormunden.

Das Demokratieprinzip prägt das gesamte Bildungsgeschehen (gelebte Alltagsdemokratie). Wichtige Aspekte sind dabei Gleichberechtigung, Wertschätzung und respektvolles Miteinander, denn jeder hat besondere Stärken und kann etwas einbringen.

Wichtig ist, den nötigen Raum zur Förderung der Entwicklung einer lebendigen Streitkultur sowie einer Kultur der Konfliktlösung zu schaffen.

Das Erwachsenen-Kind-Verhältnis ist getragen von einer kompetenzorientierten Grundhaltung, die danach fragt, was Kinder schon alles können, wissen und verstehen.

Um (Bildungs-) Prozesse der Kinder konstruktiv zu begleiten, stehen wir in der Verantwortung, nicht nur anregende Lernumgebungen zu schaffen, sondern auch unsere eigenen Haltungen und Wertvorstellungen zu klären und die Glaubwürdigkeit (Authentizität) unseres Verhaltens laufend zu überprüfen (Selbstreflexion).

In unserem Kindergartenalltag fördern wir z.B. durch:

  • Kinderkonferenz am Versammlungsort (Regeln im Kindergarten)
  • Projektarbeit
  • Reflexion mit Kindern
  • Morgen- und Abschlusskreis

Musik

Musik spielt bei uns eine große und wichtige Rolle. Musik berührt im Innersten. Tempo, Rhythmus und Tonart gehörter Musik beeinflussen Herzschlagfrequenz, Blutdruck, Atmung, Puls und Hormonausschüttung. Musik führt zu Entspannung, Aufmunterung, Lebensfreude und emotionaler Stärke und damit zu Ausgeglichenheit. Musik ist ein ideales Medium für Kinder sich mitzuteilen, Gefühle und Gedanken zu äußern, aber auch emotionale Belastungen abzureagieren. Der Musikunterricht regt Phantasie und Kreativität an und ermöglicht den Kindern, eigene musikalische Ideen zu entwickeln und umzusetzen.

Gemeinsames Singen und Musizieren stärken die Kontakt- und Teamfähigkeit und die Bereitschaft, soziale Mitverantwortung zu übernehmen.

Musik trainiert aktives Zuhören, was für Lernen und Verstehen grundlegend ist und die Entwicklung vielfältig beeinflussen kann (z. B. Sprachkompetenz, Konzentration, soziale Sensibilität, Teamfähigkeit, auditives Gedächtnis, Intelligenz, Erlebnisfähigkeit, Emotionalität).

Unsere Musikpädagogen bieten in altershomogenen Gruppen musikalische Frühförderung.

Die Gruppe der jüngeren Kinder bekommt einmal wöchentlich Musikunterricht, bei dem die Kinder verschiedene rhythmische Musikinstrumente sowie Klatschspiele, Fingerspiele und Tanzlieder kennen lernen.

Die Vorschüler erlernen und erfahren beim wöchentlichen Leierspielen verschiedene Tonhöhen und lernen ebenfalls altersgemäße Klatschspiele und Reime sowie Bewegungslieder und Tänze kennen.

Im Kindergartenalltag:

  • Singen jahreszeitlicher Lieder
  • Bauen eines Holzxylophons
  • Musikalische Gestaltung der Feste
  • Wahrnehmung von Geräuschen (Vogelstimmen)
  • Ausflug zum Bayerischen Rundfunk o.Ä.
  • Tägliches Singen beim Morgen- und Abschlusskreis

Naturwissenschaft

Nirgendwo kann man Naturwissenschaft unmittelbarer erfahren und erlernen als in der Natur. Viele Kinder zeigen großes Interesse an Alltagsphänomenen. Den Satz „Warum ist das so?“ kennen wohl viele Eltern.

Das kindliche Forscherinteresse gilt z.B. den Elementen oder den Wetterphänomenen und bringt eine Vielzahl von Fragen, bis hin zu der nach fernen Welten, hervor. Aktuelle Studien zeigen, dass drei- bis sechsjährige Kinder besonders aufnahme- und lernfähig sind.

Draußen im Freien können die Kinder z.B. erfahren, wie unterschiedlich sich Naturmaterialien anfühlen – sie begreifen durch Greifen.

Sie können u.a. beobachten, ob und wie etwas schwimmt, wie etwas wächst und die verschiedenen Aggregatszustände des Wassers sowie nahezu alle Wetterphänomene kennen lernen. Die Phänomene, mit denen sie in der Natur in Berührung kommen, entstammen ihrer kindlichen Lebenswelt und werden von den Erziehern in komplexe Zusammenhänge eingebettet.

Im Rahmen des Projekts „Forschen mit Fred“ wird die unbelebte Natur erklärt. Die Erfahrung hat gezeigt, dass nur die älteren Kinder fähig sind, die Inhalte zu verstehen.

Bei den Experimenten der unbelebten Natur geht es um:

  • Lösen von Feststoffen
  • Herstellen von Parfüm
  • Feuerlöscher
  • Luft
  • Schwimmen
  • Vitamine
  • Farben
  • Saugfähigkeit
  • Klebstoff
  • Schwarz / Weiß
  • Regenwasser
  • Salz

Mathematische Kompetenzen

Die Welt ist voller Mathematik. Geometrische Formen, Zahlen und Mengen lassen sich überall entdecken. Die Grundlagen für mathematisches Denken werden in den ersten Lebensjahren entwickelt, wenn das Kind die ersten Erfahrungen mit Zeit und Raum aber auch mit mathematischen Operationen wie Messen, Schätzen, Ordnen und Vergleichen machen können.

Auch bei uns im Waldkindergarten gibt es Möglichkeiten, sich damit auseinanderzusetzen.

Da wir das Jahr, die Woche und den Tag klar strukturieren, erfahren die Kinder Gliederung, Ordnung und Maß. Auch in der Mathematik geht es ums Ordnen und Strukturieren – was sich z.B. auch bei Wiederholungen in Mustern oder symmetrischen Figuren, in Blattstrukturen, Spinnennetzen oder z.B. beim Legen von Mandalas zeigt.

Durch den Aufenthalt in der Natur können die Sinnesorgane und der Bewegungsorganismus ausreifen, das Bewusstsein für geometrisch-mathematische Gesetzmäßigkeiten erwacht, die Kinder lernen, den Raum, die Zeit, die Menge und die Zahl zu erfassen.

Die Sinnesorgane der Kinder werden durch Erde, Wasser, Holz und Steine angeregt. Durch Ertasten können sie die Qualität von hart/weich, rau/glatt, warm/kalt usw. erfahren.

Beim Legen von linearen und flächigen Mustern mit Steinen, Stöcken, Moos und Schneckenhäusern werden erste geometrische Muster erkannt und Reihen fortgesetzt.

Bei den Rollenspielen während des Freispiels üben die Kinder beim erdachten Einkaufen die ersten Beziehungen zum Geld.

Beim Ausflug auf den Viktualienmarkt haben die Kinder ihr eigenes Geld dabei und können so den Umgang damit üben.

Durch die Vorschulerziehung im letzten Jahr

wird der pränumerische Bereich

  • Spielerisches Erfassen geometrischer Formen mit allen Sinnen (Basteln mit Altpapier)
  • Körperschema als Grundlage räumlicher Orientierung
  • Grundlegende Auffassung von Raum und Zeit

der numerische Bereich

  • Zahlkompetenz
  • Verständnis von Zahlen als Ausdruck von Menge, Länge, Gewicht, Zeit oder Geld

der sprachliche Ausdruck Mathematik

  • Begriffe z. B. größer/kleiner
  • Zahlwörter
  • Grundbegriffe der Zeit z.B. vorher/nachher, gestern/heute/morgen
  • Uhrzeit/Kalender
  • Grundbegriffe geometrischer Formen
  • Mathematische Werkzeuge Lineal, Waage

nochmals genauer betrachtet.

Nur auf ausdrücklichen Wunsch der Kinder, üben wir mit ihnen auch Zahlen zu schreiben.

Vorschulerziehung

Die Vorschulerziehung beginnt eigentlich schon mit der Geburt. Schon beim ersten Atemzug lernen wir. Dieser Prozess hält ein Leben lang an. Unter Vorschulerziehung verstehen wir die Lernangebote im letzten Kindergartenjahr.

Um ein Schulkind zu werden, bedarf es aber nicht nur kognitiver Voraussetzungen, sondern auch körperlicher, motivationaler und sozialer Kompetenzen.

Das heißt, Vorschulerziehung ist keine Sache der Wissensvermittlung im letzten Jahr werden nochmals sehr sorgfältig das Sozialverhalten und die motorischen Fähigkeiten geschult.

Einmal pro Woche haben die Kinder der Vorschulgruppe Gelegenheit, in einer überschaubaren Größe ihre sozialen, kognitiven und körperlichen Fähigkeiten zu testen. Dabei können die Kinder Wunschthemen einbringen.

  • Wenn im Herbst ein Drachen gebaut wird, entwerfen die Kinder eine Schablone (Mathematik)
  • Buchstaben und Zahlenbegriffe werden in anschauliches Material verpackt. Es werden aber keine Buchstaben und Zahlen gelernt, die Kinder sollen lediglich das Interesse am Erlernen derselben entwickeln. Das eigentliche Schreibenlernen überlassen wir den Lehrern – die Kinder können ihren Namen schreiben, das ist genug. Falls die Kinder mehr wissen wollen, werden wir natürlich darauf eingehen und ihnen die Buchstaben erklären.
  • Im Bereich Naturwissenschaften werden mit den Kindern Experimente aus der belebten und unbelebten Natur gemacht.
  • Handwerkliche Tätigkeiten, wie eine Tasche weben, schulen die Feinmotorik.
  • Die Vorschüler bekommen im letzten Jahr Leierunterricht. Oft besteht schon der Wunsch ein Instrument zu erlernen. Da es aus Erfahrung nicht beim Instrumentalunterricht allein bleibt, sondern auch schon täglich geübt werden muss, finden wir es sinnvoller, im Kindergarten erst einmal mit der Leier zu beginnen. Der Unterricht dauert 45 Minuten und beinhaltet auch Reime, Tänze und Klatschspiele. Die Kinderleier ist ideal um Tonhöhen erkennen zu lernen und im Nachahmen nachzuspielen; es werden keine Notennamen erlernt.
  • Am Ende der Kindergartenzeit wird eine Schultüte gebastelt und ein großes Abschiedsfest gefeiert.
  • Durch ihre Position in der Kindergartengruppe ergeben sich für die Vorschüler besondere Aufgaben und Verantwortungen: Sie helfen den jüngeren Kindern z. B. beim Schlittenziehen, beim Anziehen, beim Öffnen der Brotzeitdose usw. Dafür haben sie auch besondere Aktivitäten z. B. gehen sie im Herbst zur Auer Dult, dürfen sie an einer Übernachtungsparty teilnehmen und ein Erntedankessen zubereiten. Zur Vorbereitung des Übergangs vom Kindergarten zur Grundschule besuchen sie nach den Pfingstferien ein ehemaliges Kindergartenkind in der Schule und dürfen kurz im Unterricht mitmachen.

Feste im Jahreslauf

Der jahreszeitliche Ablauf von Frühling, Sommer, Herbst und Winter prägt das Leben im Waldkindergarten. Das Fest ist ein besonders herausgehobener, vom Alltag unterschiedener Zeitraum. Feste vermitteln Freude, Glück und Gemeinschaftsgefühl. Die Jahreszeitenfeste verdeutlichen die vorgegebenen Rhythmen, an denen sich die Kinder orientieren können. Durch diesen gleichmäßigen, verlässlichen Wechsel bekommt das Kindergartenjahr eine feste Struktur, die den Kindern Halt gibt. Im Waldkindergarten gibt es viele Freiräume für die individuelle Entwicklung – gerade deshalb ist die Verdeutlichung des Jahreskreises so unerlässlich.

Die Feste im Kindergarten unterscheiden sich von Inhalt und Umfang stark voneinander. Aktivitäten im Rahmen der Feste reichen von Basteleien bis zu Theateraufführungen. In der Vorbereitungsphase wird gesungen, erzählt, gemalt, Texte werden geübt und mit allen Sinnen deren Inhalt erfasst. Durch das nachahmende Tun können die Kinder an ihren Aufgaben wachsen.

Im Waldkindergarten Kallamatsch feiern wir, beginnend mit dem Erntedankfest im Herbst, folgende Feste: Michaeli, St. Martin, Nikolaus, Adventsfest, Weihnachten, Maria Lichtmess, Fasching, Ostern, Pfingsten, Johanni und zum Abschluss des Kindergartenjahres werden die Vorschulkinder mit einem großen Sommerfest verabschiedet.